Zur Gründung des Carolinenheimes

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl karitativer Einrichtungen in privater oder konfessioneller Trägerschaft, die sich auf die Fahnen geschrieben hatten, soziale Missstände im Lande zu beseitigen und Menschen in unverschuldeter Not zur Seite zu stehen. Zu ihnen gehört der 1903 gegründete „Landesverein für Innere Mission im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach“, der bald nach seiner Gründung den Bau eines Heimes für „Blöde, Sieche sowie Epileptiker“ für das gesamte Großherzogtum initiierte.

Auf der Jahresversammlung des Landesvereins im September 1905 in Vacha entschied man sich für Apolda als Standort. Der Apoldaer Oberbürgermeister Ernst Stegmann (1870–1953) sicherte dem Landesverein einen ausreichend großen Grundstückskomplex zu und bot eine kostenlose Erschließung des Baugrundstückes an. Die Bausumme von insgesamt 210.000 Mark brachten Landesverein und Großherzog Wilhelm Ernst (1876–1923) gemeinsam auf.

Grundsteinlegung und Richtfest

Die Grundsteinlegung fand am 15. Oktober 1906 um 15 Uhr auf dem Bauplatz an der Stobraer Straße statt. Der Geheime Kirchenrat Dr. W. Spinner (1854–1918) hielt die Festrede. In den Grundstein wurden die Gründungsurkunde, die Jahresberichte der Landesvereine von 1904/05 und eine Broschüre über die Pflege der „Siechen und Blöden“ eingelegt. Die Bauleitung trug das Bauamt Bethel (bei Bielefeld), wo schon 1867 die berühmte „Heil- und Pflegeanstalt für Epileptische“ gegründet worden war, die Pastor Friedrich von Bodelschwingh von 1872 bis 1910 leitete.

Trotz der oft verzögerten Lieferung des Baumaterials und schlechter Witterung konnte bereits am 11. Mai 1907 Richtfest gefeiert werden. Das Carolinenheim war für die damalige Zeit ein modernes Haus mit Zentralheizung, elektrischer Beleuchtung und Badeeinrichtungen. Es war die erste „Anstalt für Epileptische in Thüringen“ überhaupt.

Einweihung

Die feierliche Einweihung des Carolinenheims fand anlässlich des Jahresfestes des Landesvereins für Innere Mission am 14. Februar 1908 im Beisein des Großherzogs Wilhelm Ernst statt. Dem vorausgegangen war die Gründung der Stiftung Carolinenheim 1. Oktober 1907 als rechtlich selbständige Stiftung bürgerlichen Rechts.

Nur drei Tage später wurde der reguläre Betrieb mit 9 „Pfleglingen“ aufgenommen. Deren Betreuung übernahmen Schwestern des Diakonissen-Mutterhauses „Sophienhaus“ Weimar. Eine Wirtschaftsdame stand dem Küchenwesen vor, außerdem wurde ein Hausmeister beschäftigt, zwei Ärzte der Stadt waren mit der medizinischen Versorgung betraut.

Mit der Eröffnung 1908 kamen täglich neue Anfragen zur Aufnahme auf das Heim zu. Schon 1910 wurde ein Erweiterungsbau geplant, der 1912 eröffnet werden konnte. Anlässlich der Eröffnung des Anbaus war im Apoldaer Tageblatt vom 5. Mai desselben Jahres zu lesen: „Die bisher das schwerste Leid ertragen haben, werden und können glückselig sein über das, was ihnen dort alles in dem prächtigen Unterkommen und der liebevollen Behandlung geboten wird […].“